Die Spezies Thought Leader: Daran erkennen Sie echte Vordenker

Die Spezies Thought Leader: Daran erkennen Sie echte Vordenker

Judith Hente

Judith Hente

Welchen Personen folgen Sie auf LinkedIn und Xing? Wessen
Meinung zum Markt und Entwicklungen ist Ihnen besonders wichtig oder weckt Ihr
Interesse? Und mit wem würden Sie sich gerne einmal persönlich über Ihre
Branche unterhalten? Ich denke, Ihnen fallen da sicher einige Menschen ein, die
Sie in Ihrem Alltag inspirieren, deren Meinung Sie ernst nehmen und schätzen
und mit denen Sie vielleicht gerne zusammenarbeiten würden. Diese
Persönlichkeiten zeichnet aber weit mehr aus als nur ihr großes Expertenwissen.
Sie trauen sich offen über Trends zu sprechen, suchen das Gespräch mit anderen,
fordern heraus und fördern den öffentlichen und fachlichen Diskurs. Damit
gehören sie zur sogenannten Spezies der Thought Leader, zu Deutsch
Meinungsmacher, -führer oder auch Vordenker, also zu Menschen, deren Meinung
für eine größere Zielgruppe relevant ist.

Das Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten der digitalen Kommunikation und Selbstinszenierung haben in den vergangenen Jahren zu einer großen Verbreitung des Begriffs Thought Leader geführt. Momentan finden sich auf LinkedIn 1.101.936 Personen, die den Begriff in ihrer Personenbeschreibung verwenden, davon über 9.000 mit dem Standort Deutschland. Die deutschen Synonyme können da längst nicht mehr mithalten. Doch aufgepasst, zum Thought Leader werden nicht diejenigen, die sich selbst als solche bezeichnen, sondern die, die entsprechend handeln. Aber was genau brauchen Thought Leader, um sich den „Titel“ zu verdienen? Die folgenden Punkte geben Aufschluss:

Sie haben etwas zu sagen

Der wichtigste Punkt steckt schon im Namen – Thought Leader machen sich Gedanken. Aus diesen Gedanken entwickeln sich Ideen und Meinungen, die dann wiederum für andere Menschen als Denkanstöße dienen können. Dabei reicht es aber nicht aus, alten Wein in neuen Schläuchen anzubieten. Die Zielgruppe erwartet frische Ansätze und Antworten, und zwar auch auf Fragen, die vielleicht noch gar nicht gestellt worden sind. Denn das ist die Aufgabe von VOR-denkern, sie gehen voran.

Thought Leader wollen etwas sagen

Kreative und innovative Ideen zu haben, ist schön und gut, doch wenn die Person keine Ambitionen hat, sie in die Öffentlichkeit zu tragen, bleibt der Einfluss verschwindend gering. Thought Leader zeichnen sich deshalb auch dadurch aus, dass sie großes Interesse daran haben, Ihre Gedanken zu teilen. Sie sind aktiv in sozialen Netzwerken, schreiben ihren eigenen Blog und sind auf Messen, Kongressen und anderen Events vertreten. Vielleicht haben sie sogar ihren eigenen Podcast. Zudem arbeiten sie daran, sich auch in der Presse einen Namen zu machen, indem sie Meinungsbeiträge verfassen sowie für Interviews und Kommentare zu Themen zur Verfügung stehen, die Ihnen am Herzen liegen.

Sie trauen sich, etwas zu sagen

Von Thought Leadern wird erwartet, dass sie klar Stellung
beziehen, sich nicht davor scheuen Prognosen zu treffen und eine Vision vor
Augen haben. Deshalb treten sie auch mal etwas provokanter auf, was nicht
bedeutet, dass sie mit ihrer Unternehmensstrategie und ihrem Messaging brechen.
Sie sind vielmehr in der Lage, den Markt einzuschätzen und Entwicklungen
fundiert zu kommentieren, anstatt sich durch wilde Behauptungen einen Namen zu
machen. Das ist vielleicht ein effektiver Weg, um schnell ins Rampenlicht zu
treten, aber auf Dauer schadet es nicht nur der eigenen Reputation, sondern
auch dem Ruf des Unternehmens.  

Thought Leader suchen das Gespräch

Thought Leader sitzen nicht allein in ihrem stillen
Kämmerlein und brühten über Ideen, die sie zu neuem Content verarbeiten können.
Auch wenn es manchmal sicherlich hilfreich ist, sich von der Außenwelt
abzuschotten, um frische Inhalte zu produzieren, ist das allein sicher keine zielführende
Maßnahme. Neue Anreize entstehen durch Interaktionen, Gespräche und Austausch –
in welcher Form das auch immer geschieht. Thought Leader sind aber nicht immer
nur Impulsgeber. Sie sind auch aktive Zuhörer und enorm daran interessiert, was
andere zu sagen haben. Dadurch gewinnen sie neue Einblicke und setzen die eine
eigenen Gedanken in Relation, zu dem was aktuell diskutiert wird. Als Thought
Leader wird schließlich nur ernst genommen, wer sich am Diskurs beteiligt und
weiß, was innerhalb und auch außerhalb der eigenen Branche wichtig ist.

Sie wollen nicht verkaufen

Thought Leadership ist keine Werbung. Im Zentrum steht
tatsächlich der Ideenaustausch und die Verantwortung, die eigene Zielgruppe mit
relevanten und informativen Themen zu versorgen. Wer diesen Ansatz nutzt, um
Produkte und Dienstleistungen direkt zu vermarkten, hat das Prinzip nicht
verstanden. Thought Leader generieren Aufmerksamkeit für Themen, die für sie
selbst oder ihr Unternehmen wichtig sind. Durch ihr Wissen und ihre Präsenz
bauen sie wichtige Beziehungen und Vertrauen in der Zielgruppe auf und
repräsentieren das Unternehmen nach innen und nach außen. Das alles kann einen
nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die Reputation der eigenen Person und
des Unternehmens, die Mitarbeiterbindung und das Recruiting haben und damit
natürlich indirekt auch auf die Verkäufe und den Umsatz.

Akzeptanz statt Arroganz

Niemand wird von heute auf morgen zum Thought Leader. Es ist
ein Prozess, der neben ausreichend Expertise im eigenen Fachgebiet, auch Leidenschaft,
Ehrgeiz und Selbstbewusstsein benötigt. Sich selbst auf diversen Netzwerken als
Thought Leader zu bezeichnen, würde zunächst nur den letzten Punkt dieser Liste
erfüllen. Das ist nicht unbedingt erfolgsversprechend. Es ist zwar wichtig,
dass Thought Leader von sich überzeugt sind, doch der Grad zur Arroganz ist
schmal.

Reputation entsteht von außen und gerade für Thought Leadership ist die Akzeptanz durch die Zielgruppe enorm wichtig. Wer von der Gesellschaft als Thought Leader wahrgenommen werden möchte, muss deshalb zunächst das Vertrauen der Menschen gewinnen und das geht am besten, indem das Publikum gezielt erreicht und mit relevanten Informationen versorgt wird. Thought Leadership fordert deshalb kontinuierliches Engagement, das sich auf lange Sicht aber durchaus bezahlt macht. Thought Leader liefern Antworten, geben Denkanstöße, bieten Hilfestellung und regen Diskussionen an. Sie trauen sich, klar Position zu beziehen und schlagen das ein oder andere Mal auch einen Weg ein, der vielleicht nicht offensichtlich ist. Sie sind eine Bereicherung für die Gesellschaft, für die Wirtschaft, für Unternehmen, für Mitarbeiter und für Kunden. Daher lohnt es sich für Unternehmen absolut, einen Thought Leader in den eigenen Reihen zu haben. Sie sollten die Person bestmöglich unterstützen.  

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