Kommunikationstrends 2021: Journalismus, Unternehmenskommunikation und Kommunikationstechnologien

Kommunikationstrends 2021: Journalismus, Unternehmenskommunikation und Kommunikationstechnologien

Marco Dautel

Marco Dautel

Leiter des Büros in München und erfahrener Kommunikations- und PR-Experte .

Das Jahr 2021 begann wie das vorige Jahr endete: Politische Verrücktheiten in den Vereinigten Staaten und zwei Krisen, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben; die Klimakrise und die Corona-Pandemie. Doch dass dieses Jahr anders werden wird, merke ich schon daran, dass ich nicht mehr fast jeden Tag in den Nachrichten lese, welche bisher unvorstellbare Aussage oder Tat der politisch mächtigste Mensch der Welt wieder getroffen oder vollzogen hat. Mit Biden scheint erneut eine sachliche, informative und respektvolle Kommunikation ins Weiße Haus zurückzukehren. Auch in Deutschland ist die alternative Krawallpartei aktuell gefühlt weniger skandalträchtig, leider kann man das nicht über manche Politiker in der Regierung sagen.

Was für mich aber auf jeden Fall aus dem außergewöhnlichen Jahr 2020 hängen bleiben wird, sind die vielen Veränderungen unseres Alltags. Die SARS-CoV-2-Pandemie hat unser soziales Miteinander auf den Kopf gestellt sowie uns Arbeits- und Handlungsweisen hinterfragen oder schlichtweg nach Alternativen suchen lassen – sowohl im privaten wie im beruflichen Bereich. Diese tiefgreifenden Änderungen haben das Thema Kommunikation wie selten zuvor in den Mittelpunkt gestellt und erheblichen Einfluss auf die Kommunikationsbranche mit sich gebracht. Dieser Einfluss prägt für mich auch die Kommunikationstrends in diesem Jahr, sei es im Journalismus, in der Unternehmenskommunikation oder bei den Kommunikationstechnologien.

Journalismus: Arbeitsweisen im Wandel

Das Pandemiejahr 2020 hatte einen erheblichen Einfluss auf die Arbeitsweise vieler Journalisten. Vor allem tagesaktuelle Nachrichten, die oft von Vorortberichterstattung und Vorortgesprächen die notwendige Tiefe erhalten, erfordern mehr Aufwand. Ansprechpartner können meist nicht vor Ort, sondern nur telefonisch oder per E-Mail angesprochen werden und Eindrücke vom Ort des Geschehens werden häufiger nicht mehr selbst erlebt, sondern nur auf Basis von Informationen Dritter nacherzählt. Dadurch wird es für Unternehmen, Regierungen und andere Institutionen einfacher, sich nicht zu äußern oder ungeprüfte bzw. falsche Informationen zu verbreiten. Auch, weil Journalisten immer weniger Zeit haben, sauber zu recherchieren oder kritisch zu hinterfragen.

Hinzu kommt, dass sich der Trend zu Gewalt und Hass gegen Medienschaffende in der Pandemie noch weiter verstärkt hat. Immer häufiger werden die Journalisten, die noch vor Ort arbeiten, angefeindet oder sogar angegriffen. Eine zusätzliche Hürde für eine ausgeglichene Berichterstattung.

Auch im Fachjournalismus hat die Pandemie Spuren hinterlassen. Neben den veränderten Arbeitsweisen im Homeoffice wurden die Fachmedien besonders von den reduzierten Werbeschaltungen getroffen. Dies führt bei uns immer häufiger dazu, dass Redakteure und Redakteurinnen eine Berichterstattung ablehnen, weil Kunden, die Werbung schalten, vorgehen. Aus meiner Sicht eine Gefahr für die redaktionelle Unabhängigkeit.

Der Wandel im Journalismus ist kein neuer Trend, aber die Corona-Pandemie hat viele der Entwicklungen beschleunigt. 2021 wird die Trennlinie zwischen journalistisch sauber arbeitenden Medien und denen, die weniger faktenorientiert berichten, noch deutlicher hervortreten. Ich hoffe , dass erstere mehr Zusprache von den Endkunden erhalten, damit die Journalismusqualität in Deutschland erhalten bleibt.

Unternehmenskommunikation: Fokus auf Customer Centricity im ganzen Unternehmen

Im letzten Jahr haben Unternehmen vieles ausprobiert und getestet. Jetzt gilt es, die richtigen Schlüsse aus den Tests zu ziehen und weiter flexibel zu bleiben. Denn eines ist erst Mal sicher:  Corona wird uns auch 2021 noch intensiv beschäftigen und die Kommunikation erheblich beeinflussen. Empathie, Purpose und Glaubwürdigkeit waren schon vor der Pandemie ein Trend in der Unternehmenskommunikation, aber der Fokus auf diese Aspekte eines Unternehmens wurde durch die Krise noch einmal verstärkt. Körperliche und geistige Gesundheit, der Klimawandel sowie die Black-Lives-Matter-Bewegung standen neben dem Virus im Vordergrund. Die einflussreiche globale Bewegung brachte das Thema Rassismus nicht nur in die vorderste Reihe der Köpfe aller, sondern veranlasste auch eine Reihe von Unternehmen zum Handeln und eine effektive Kommunikation war dabei elementar.

Mit Blick auf das Jahr 2021 ist es wahrscheinlich, dass gesellschaftliche Themen weiter relevant bleiben und eine Veränderung im Verhalten von Unternehmen und Verbrauchern erfordern. Falsch oder gar nicht zu reagieren, kann sich negativ auf die Reputation von Einzelpersonen und/oder Unternehmen auswirken. Daher wird es im neuen Jahr besonders wichtig sein, auf die Kommunikation bei gesellschaftlich relevanten Themen vorbereitet zu sein und PR- und Markenbotschaften sensibel, sorgfältig und wahrheitsgetreu zu formulieren.

Gleichzeitig gilt es Kommunikation endlich ganzheitlich zu betrachten, um Zielgruppen dort zu erreichen, wo sie sich aufhalten und, aus meiner Sicht viel wichtiger, endlich mit der bewussten Trennung von Kommunikations- und Marketingdisziplinen aufzuhören, um Kommunikation „aus einem Guss“ zu machen. Die durch das Homeoffice erworbenen kommunikativen Fähigkeiten und neuen Tools können dabei helfen, alle Stakeholder an einen Tisch zu holen und alles der Customer Experience unterzuordnen, um das volle Kommunikationspotenzial auszuschöpfen. Von Pressearbeit über Werbung, von sozialen Kanälen bis zu Foren, Messenger-Diensten, Chats und Newslettern, alles hat seinen Platz und seine Relevanz in der Kommunikation.

Kommunikationstechnologie: Automation und ganzheitliche Kommunikationsplattformen

Das Internet, soziale Medien, Video und Audio haben die Kommunikation in den letzten 20 Jahren erheblich diversifiziert und beschleunigt. Ich kann kaum glauben, dass ich zu Beginn meiner PR-Karriere noch Pressemitteilungen via Fax oder Briefpost (auch damals schon anachronistisch) verschickt habe. Das ist heute undenkbar oder maximal Teil einer kreativen Kampagne. Inzwischen wissen viele Unternehmen, wie sie die unterschiedlichen Plattformen und Technologien nutzen können und es wird viel getestet und ausprobiert. Gleichzeitig bringt die Vielzahl unterschiedlicher Medien auch neue Herausforderungen wie erhöhte Content-Produktion mit plattformgerechten Varianten und die erhöhte Zahl an zu beobachtenden Medien, damit keine Kommunikationschance verpasst wird. Zudem erfordern die aktuellen und wohl noch länger anhaltenden Kontaktbeschränkungen kreative Antworten für zukünftige Veranstaltungen. 2021 werden sich daher viele Unternehmen neue digitale Tools zulegen, um auch weiterhin kommunikativ am Ball bleiben zu können.

Dabei müssen Plattformen im Vordergrund stehen, mit denen sich Inhalte für PR, Marketing und Sales integriert planen, umsetzen und ausspielen lassen, um disziplinübergreifend, ergebnisorientiert und auf Augenhöhe mit Stakeholdern in und außerhalb des Unternehmens arbeiten und kommunizieren zu können. Denn was den Kollegen aus PR und Kommunikation häufig noch fehlt, sind handfeste Indikatoren, wie zum Beispiel Leads, die den deutlichen Mehrwert für die Geschäftsführung und den Vertrieb über Reichweite und Aufmerksamkeit hinaus deutlich macht. PR-Inhalte sind prädestiniert dafür, Aufmerksamkeit zu schaffen und potenzielle Kunden davon zu überzeugen, persönliche Daten zu hinterlassen.

Darüber hinaus kommen Kommunikationsabteilungen nicht mehr an einer digitalen Lösung vorbei, die sie dabei unterstützt neue Trends rechtzeitig zu erkennen und schneller auf Themen reagieren zu können. Der Geschwindigkeit, mit der täglich Nachrichten und Social Posts veröffentlicht und abgesetzt werden, können nur noch Automatisierungstools mit einem lernenden Algorithmus Herr werden. Dafür kann sich die Abteilung dann komplett auf Media, Influencer und Social Relations konzentrieren.

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