Skandale, Jubiläen und ferne Welten – die Themen im Oktober

Skandale, Jubiläen und ferne Welten – die Themen im Oktober

Timo Gass

Timo Gass

Der (goldene) Herbst ist da! Auch wenn von einem Sommerloch in diesem Jahr nicht zu sprechen war, verspürt man doch, dass sich die Welt zum Jahresende hin ein wenig schneller dreht. Eine Zusammenfassung unserer Highlights aus dem Oktober findet ihr hier. Es wird tragisch, nostalgisch, zukunftsträchtig und am Ende sogar ein bisschen religiös – viel Spaß beim Lesen! 

Machtmissbrauch bei der „Bild“ – der Skandal um Julian Reichelt  

Wir beginnen unser News-Round-Up mit einer Meldung, die in der zweiten Oktoberhälfte die internationale Medienwelt erschüttert hat. Julian Reichelt, Chefredakteur und Aushängeschild der „Bild“-Zeitung, hat seine Machtposition gegenüber hierarchisch ihm untergestellten Frauen ausgenutzt und wird daher von Axel Springer SE seiner Aufgaben entbunden. Das ist ein schwerer Schlag für das Springer-Imperium. Im März schien das Thema nach einem überstandenen Compliance-Verfahren bereits aus der Welt geschaffen und man widmete sich der weiteren Expansion Springers. Im Juni kaufte der Medienkonzern das amerikanische Medienunternehmen Politico für eine Rekordsumme von schätzungsweise mindestens 630 Millionen Euro, um weiter in den amerikanischen Markt vorzudringen. Ironischerweise war es dann einige Monate später insbesondere ein Artikel der New York Times, der offenlegte, dass das Verfahren vom März einige Lücken offenließ.  

Im Fall Reichelt geht es um viel mehr als einen Mann, der „Privates und Berufliches nicht klar trennt“, wie es Springer selbst herunterzuspielen versucht. Es wird uns vor Augen geführt, dass die Medienwelt in Deutschland nach wie von hierarchischen und männerdominierten Machtstrukturen geprägt ist, die es mit Entschlossenheit aufzubrechen gilt. Eine sehr lohnenswerte Lektüre zu diesem Thema hat die inzwischen leider verstorbene Bettina Gaus geliefert: Fall Julian Reichelt: Die Entmündigung der Frau - Kolumne - DER SPIEGEL. Die deutsche Medienlandschaft verliert mit Gaus eine ihrer treffsichersten Kolumnistinnen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen! Ob die Causa Reichelt einen Kurswechsel der „Bild“ nach sich ziehen wird, bleibt abzuwarten. Eine interessante Einschätzung dazu haben Mats Schönauer und Moritz Tschermak abgegeben: Was wird aus "Bild" nach Julian Reichelt? - Medien - SZ.de (sueddeutsche.de) 

Happy Birthday, iPod! 

„With iPod, listening to music will never be the same again“, so beschrieb Steve Jobs den iPod zum Release am 23. Oktober 2001. Und tatsächlich führte Apple mit den iPod ein revolutionäres Produkt ein. Zwar klingen aus heutiger Perspektive 5 Gigabyte Speicher und ein Kaufpreis von knapp 1000 Mark nicht gerade verlockend, doch darf man die rasante Entwicklung der vergangenen 20 Jahre nicht außer Acht lassen. Der iPod hat unsere Art Musik zu konsumieren nachhaltig verändert und das Streaming-Zeitalter angestoßen.  

Die Innovation des iPods ist unmittelbar mit dem Apple-Co-Founder und jahrelangem CEO Steve Jobs verbunden. Fast genau zehn Jahre nach Veröffentlichung des ersten iPods unterlag der Visionär seinem Kampf gegen den Krebs am 5. Oktober 2011. Direkt nach seinem Ableben begannen Spekulationen um die Zukunft Apples. Steve Jobs sei unersetzbar, hieß es von vielen. Der von Jobs zu seinem Nachfolger auserkorene Tim Cook strafte seine Kritiker*innen Lügen. Apple war in den vergangenen 10 Jahren extrem erfolgreich und verkauft aktuell so viele Geräte und Dienstleistungen wie nie zuvor. Dass der iPod in der heutigen Produktwelt keine Rolle mehr spielt, ist Teil der Erfolgsgeschichte des wertvollsten Unternehmens der Welt. Es zeigt, dass Innovation bei Apple immer an erster Stelle steht oder um es in den Worten von Steve Jobs zu sagen: „Just figure out what’s next.“ 

Metaverse – Was plant Mark Zuckerberg da? 

Der Facebook-Konzern heißt jetzt Meta und verfolgt damit kein geringeres Ziel, als den Nachfolger des mobilen Internets zu schaffen. Der Begriff „Metaverse“ stammt aus der Science-Fiction-Literatur und beschreibt ein digitales Paralleluniversum, innerhalb dessen Menschen miteinander interagieren, beruflich wie privat. Das Metaverse soll im Unterschied zum Internet nicht nur von außen betrachtet, sondern mittels Avataren aktiv betreten und gestaltet werden. Virtual- und Augmented Reality-Technologien werden bei der Umsetzung dieses Ziels also eine große Rolle spielen. Viel mehr ist über Konkretes noch nicht bekannt, außer dass es sehr teuer wird. Schon in diesem Jahr investiert der Konzern 10 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung, Tendenz steigend. Damit verbunden sollen allein in Europa 10.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.  

Was führte die Meta-Spitzen, allen voran Mark Zuckerberg, zu diesem Schritt? Die Vermutung liegt nahe, dass Facebook im Angesichte der anhaltenden Kritik die Flucht nach vorne wagt. Umfragen zeigen, dass Facebook in Sachen Reputation von den anderen Tech-Riesen Google, Microsoft und Apple inzwischen deutlich abgehängt wurde. Zu viele Skandale gab und gibt es rund um den Konzern. Man denke etwa an die jüngsten Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen. Ob auf der Connect 2021 tatsächlich ein „fundamentaler Wandel“ (Mark Zuckerberg) eingeläutet wurde oder hier doch nur versucht wird eine Parallelwelt zu schaffen, um aus der ungemütlichen echten Welt zu fliehen, wird die Zukunft zeigen. Im Roman Snow Crash von Neal Stephenson, in dem der Begriff „Metaverse“ zum ersten Mal verwendet wurde, gehen mit diesem jedenfalls äußerst dystopische Zustände einher. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen…  

Gott, Gott* oder Gott+? 

Was für manch einen wie Tippfehler aussehen mag, ist tatsächlich ein Vorschlag der Katholischen jungen Gemeinde und gleichsam das abschließende Thema unseres Round-Ups. Gendergerechte Sprache ist ein allgegenwärtiges Thema, das auch die Kirchen erreicht. Das Gottesbild des alten weißen Mannes mit langem Bart ist alles andere als divers oder inklusiv. Ob des anhaltenden Einflusses der Institution Kirche ist ein Nachdenken über den sensibilisierten Gebrauch von Sprache daher zu begrüßen. Gendergerechte Sprache ist sicherlich keine Lösung per se, doch trägt sie zu einem stärkeren Bewusstsein für bestehende Ungerechtigkeit bei. Und Bewusstsein ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Veränderung. Sollte Allmächtiges existieren, so wird es sicherlich nicht erzürnt darüber sein, wenn wir es statt Gott, Gott* oder Gott+ nennen.  

In diesem Sinne wünschen wir euch einen guten Start in den November. Auch an grauen Tagen versorgen wir euch selbstverständlich weiterhin mit tagesaktuellen News zu den Themen Technologie, Klimawandel, Wirtschaft, Kommunikation sowie Gott+ und die Welt auf LinkedIn.  

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