Ein Jahr Pandemie und ihre Folgen, Schiffsstau am Suezkanal und E-Mobilitätsoffensive in Salzgitter

Den März assoziieren wir traditionell mit dem Frühlingsanfang, Vogelgezwitscher, Blumen, Sonnenstrahlen und dem ersten Kaffee im Freien. 2021 sieht das allerdings anders aus. Vor einem Jahr, am 11. März 2020, erklärte die WHO den Ausbruch von COVID-19 zur Pandemie. 12 Monate später hält der Lockdown uns weiterhin (mehr oder weniger) fest im Griff und die Nachrichten drehen sich hauptsächlich um die medizinischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen pandemiebedingten Entwicklungen. So lässt sich der Kaffee im Freien auch weiterhin zunächst nur „To Go“ genießen.

Ein Fehler, eine Entschuldigung, viele Meinungen

Neben diesem Jubiläum, dass sehr wahrscheinlich niemand gefeiert hat, beherrschte Corona auch darüber hinaus die Schlagzeilen: Impfstopp AstraZeneca, Maskengate und dritte Welle waren dabei nur einige, die es auf die Titelseite schafften. Auch die vorgeschlagene Osterruhe sorgte für Wirbel und schließlich dafür, dass sich die Kanzlerin bei der Bevölkerung für den Fehler, den sie gänzlich auf sich genommen hat, entschuldigte. Dieser Schritt regte zahlreiche Diskussionen zur Fehlerkultur und menschlicher Führung in unserem Land an.

Sebastian Matthes, Chefredakteur des Handelsblatt, erkennt die Entschuldigung zwar als „starke Geste“ an, doch zu einer echten Fehlerkultur gehöre auch, aus Fehlern zu lernen und dafür zu sorgen, dass sie nicht mehr passierten, was er derzeit nicht in der Pandemiepolitik verfolgen könne (Quelle: Handelsblatt Morning Briefing).

Birgit Schmeitzner vom ARD-Hauptstadtbüro sieht das anders und schrieb in einem Kommentar: „Es geht also noch: Eine Politikerin, die Verantwortung übernimmt, auch für das Verhalten der 16 anderen am Tisch. Eine Politikerin, die klipp und klar sagt: Das war vielleicht gut gemeint, aber nicht gut gemacht – ich übernehme die Verantwortung. Das ist eine Fehlerkultur, die selten geworden ist. Dafür hat Angela Merkel Wertschätzung verdient.“ Doch auch sie ist der Meinung, dass eine Entschuldigung allein nicht hilft und nun endlich Maßnahmen hermüssen, die wirklich greifen. Wie wäre es zum Beispiel damit, endlich den Arbeitsplatz stärker ins Visier zu nehmen, statt zum Großteil auf das Private zu setzen? (Quelle: Tagesschau)

Mehr Meetings, weniger Verbundenheit – Die Folgen von einem Jahr Homeoffice

Remote Work ist seit Beginn der Pandemie eine wichtige Säule bei der Eindämmung des Virus. Dank der Digitalisierung ist es für viele Menschen möglich, während der Pandemie im Homeoffice zu arbeiten. Derzeit arbeitet ein Viertel der Arbeitnehmer*innen aus den eigenen vier Wänden (Quelle: Bitkom Stand 8.12.2020). Durch eine Homeoffice-Pflicht könnten diese Zahl sicher noch angehoben werden, allerdings müssen Unternehmen und Politik auch ein Auge darauf haben, welche Auswirkungen Remote Work auf die Mitarbeiter*innen hat.

In zahlreichen Studien, unter anderem dem jährlichen Work Trend Index, hat Microsoft untersucht welchen Einfluss ein Jahr Homeoffice auf unsere Beziehungen am Arbeitsplatz und unser professionelles Netzwerk hat. Auch wenn Arbeitnehmer*innen angeben, dass mehr Meetings denn je stattfinden, fühlen sie sich isolierter und weniger mit ihren Kolleg*innen verbunden (Quelle: Harvard Business Review). Für eine kurze Dauer und in Zeiten von hohen Infektionszahlen, ist Homeoffice deshalb sicher ein wirksamer und richtiger Schritt, langfristig sind hybride Arbeitsmodelle aber eher zu empfehlen, um auch das soziale Kapital in den Firmen zu stärken. Sollten Unternehmen weiterhin komplett auf Homeoffice setzen, gilt es Wege zu finden, den Austausch und das Miteinander auch virtuell so zu gestalten, dass Beziehungen aufgebaut werden und kreatives Denken gefördert wird.

Microsoft arbeitet selbst schon an einer Lösung für dieses Problem. Mesh, eine Plattform für Mixed Reality, soll virtuelle und reale Welten mit Hologrammen verbinden und die Menschen so virtuell näher zusammenbringen. Einen Überblick zur Idee und dem Entwicklungsstand liefert das Handelsblatt.   

Gleichberechtigung – Es ist noch ein weiter Weg

Eine weitere Debatte, die die Corona-Pandemie befeuert hat, ist die der Gleichberechtigung. Am 8. März wurde der internationale Frauentag begangen. Doch gerade Frauen werden durch die Doppelbelastung von Beruf und Familie und durch das Wiederaufleben alter Rollenmuster beruflich zurückgeworfen, wie das ZDF mit Grafiken dokumentiert. Gerade in Berufen, in denen Technologie und Digitalisierung eine Schlüsselrolle spielen, sind Frauen seltener vertreten. So ist gerade einmal ein Drittel aller MINT-Studierenden weiblich. Doch auch Mädchen und Frauen sollten die Chance erhalten, die digitale Welt mitzugestalten, sagt Verena Pausder in einem LinkedIn-Beitrag.

Vorbilder gibt es schon einige, wie ein umfangreicher Artikel des Handelsblatts zeigt. Doch es ist definitiv noch Platz für weitere starke Frauen und auch für Veränderungen in der Gesellschaft. So ist ein weiterer Beleg für die fortwährende Ungleichbehandlung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz der Gender Pay Gap Day, der in Deutschland in diesem Jahr auf den 10. März viel. Demzufolge haben Frauen bis zu diesem Datum umsonst gearbeitet, wie u. a. die Tagesschau berichtet. Zusätzlich sorgte der Mord an Sarah Everard in UK für einen weltweiten Aufschrei über die fehlende Sicherheit von Frauen. Ein Beitrag von Deutschlandfunk Kultur erklärt, warum das Thema kein Problem der Frauen, sondern ein gesellschaftliches ist.  

Verkeilt im Suezkanal

Für Aufsehen hat in diesem Monat zudem das Container-Schiff „Ever Given“ gesorgt. Tagelang blockierte der 400 m lange Frachter den Suezkanal und sorgte für einen enormen Stau an einer der wichtigsten Verkehrsadern der Welt. Auch wenn die „Ever Given“ mittlerweile wieder frei ist, werden die Auswirkungen für die internationale Schifffahrt, die bereits von der Coronakrise gebeutelt ist, noch Monate zu spüren sein. Die deutsche Industrie befürchtet Lieferengpässe etwa bei elektronischen Bauteilen, in der Auto- und auch der Chemiebranche. Der Tagesspielgel fasst die Ereignisse zusammen. Welche Ideen unterdessen Kinder hatten, um das Schiff aus seiner misslichen Lage zu befreien, zeigt CNN in einem Video – vielleicht sind das unsere künftigen Ingenieur*innen.

Salzgitter vs. Grünheide – Power Day vs. Battery Day – VW vs. Tesla

Anders als in der Schifffahrt heißt es in der Autobranche derzeit volle Fahrt – und zwar elektronisch! Der deutsche Autobauer VW hat auf seinem ersten Power Day Mitte März angekündigt, bis 2025 18.000 Ladestationen und bis 2030 sechs Akku-Fabriken in Europa zu bauen (Quelle Golem). Der Power Day erinnerte viele stark an den Battery Day, auf dem Konkurrent Tesla vor gut einem halben Jahr seine Strategie für den Ausbau der Elektromobilität vorstellte (Quelle t3n). Grünheide und Salzgitter erlangen durch den Kampf der Giganten jedenfalls so viel Aufmerksamkeit wie nie zuvor.

Besonders Elon Musk muss dabei viel Kritik einstecken. Ein Beitrag von Frontal 21 mit dem Titel „Turbo, Tempo, Tesla – Elon Musk in Brandenburg“ ging dem Tesla-Chef dann doch etwas gegen den Strich. Kurzum twitterte er „Shame on you ZDF!“. Frontal 21 berichtete über die bereits früher geäußerten Bedenken, dass die Gigafactory zu Problemen mit der Wasserver- und Entsorgung führen  könnte und widersprach Aussagen von Musk (Quelle Frankfurter Rundschau). Bisher stand dieser allerdings nicht für ein persönliches Interview zur Verfügung und auf die erneute Anfrage vom 25. März gab es bis dato ebenfalls keine Antwort (Quelle RND).

Was uns im April erwartet

Dieser Monat hatte es wieder mal in sich und sieht man sich allein das Event-Line-up für April an, wird es wohl auch in den kommenden Wochen nicht langweilig. Vom 12. bis 16. April findet die digitale Hannover Messe unter dem Motto „Industrial Transformation“ statt. Und auch unser Kunde Ansys geht mit seiner Simulation World in die zweite Runde. Am 20. und 21. April dreht sich alles um die technische Simulation und wie sie Entwicklungen in Bereichen wie Automotive, 5G, Cloud und Engineering vorantreibt.  

Wie immer behalten wir alle Events, Entwicklungen und Nachrichten im Auge und fassen für euch das Wichtigste zusammen. Für tagesaktuelle Meldungen aus Tech und Kommunikation folgt uns auf LinkedIn. Wir freuen uns über Kommentare und Anregungen.

Mit dem September kommt normalerweise auch der Herbst. Da in diesem Jahr aber alles etwas anders ist, haben sich die ersten Wochen dieses Monats mit Temperaturen über 30 Grad noch stark nach Hochsommer angefühlt. Die in ganz Deutschland gemittelten Temperaturen lagen für den September 2020 mit 14,8 Grad Celsius 1,5 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Zudem regnete es zu wenig. (heise.de) Da sind die Worte der KlimaaktivistInnen von Fridays for Future leider sehr passend. Unter dem Motto „Kein Grad weiter!“ fand am 25.09.2020 – am Weltklimatag – erneut ein globaler Klimastreik statt, FAZ berichtete. Zeitgleich lief in New York die Climate Week. Hier trafen sich Branchenexperten und Unternehmen, um darüber zu diskutieren, wie eine C02-neutrale Wirtschaft gestaltet werden kann. Wie Nachhaltigkeit trotz Covid-19 ganz oben auf der Agenda von Unternehmen bleiben kann, erklärt unser Kunde ENGIE Impact in einem Beitrag im Rahmen der Klimawoche.  

Autofrei? Wohl eher nicht

Ein weiterer Tag im September, der im Zeichen des Klimaschutzes steht, ist der europäische Autofreie Tag am 22. September. Wie der Name schon sagt, soll an diesem Tag der Gebrach von Autos und anderen Kraftfahrzeugen eingeschränkt werden. Leider war davon nicht allzu viel zu spüren. Auf den Straßen waren wie jeden Tag zahlreiche Autos unterwegs. Vielleicht müssen Alternativen wie der Nahverkehr attraktiver gestaltet werden? Im Idealfall könnten sich verstopfte Straßen damit erübrigen, wie dieses GIF anschaulich zeigt.

Die Autobranche – zwischen Krise und Boom

Dass sich etwas an den Mobilitätskonzepten in Deutschland ändern muss, ist nicht erst seit diesem Jahr bekannt. Doch die Pandemie hat – wie fast jeden Bereich unseres Lebens – auch die Mobilitätsbranche durcheinandergebracht. Während Automobilzulieferer und Hersteller Stellen abbauen und die Verkaufszahlen für Verbrenner sinken, boomen E-Autos – sicher auch dank politischer Maßnahmen (WELT). Auch wenn sich der Antrieb verändert, bleibt das Auto weiterhin beliebt und ändert am Straßenbild wenig. Experten glauben sogar, dass die Straßen im Winter voller werden, denn wegen COVID-19 meiden viele Menschen den Nahverkehr (FAZ). Um künftig eine Plattform für Mobilitätskonzepte zu bieten und Best-Practice-Lösungen für Mobility Hubs und smartes Parkraummanagement zu liefern, hat sich nun das „Forum Mobilität in Deutschland“ (FMiD) gegründet (Elektronik automotive) – wir sind gespannt, was daraus entsteht.

TikTok – Verboten oder nicht verboten, das ist hier die Frage

Natürlich gab es im September neben Klima und Mobilität auch andere Themen. Die Debatte um TikTok, die bereits Teil unserer Nachrichtenzusammenfassung im August war, ging zum Beispiel in die nächste Runde. Präsident Trump will Apple und Google verbieten, die App weiterhin zum Download anzubieten. Diese Anordnung von oben sollte eigentlich am 28.09. in Kraft treten. Per Gerichtsentscheid dürfen die Tech-Riesen TikTok nun aber doch erstmal weiter anbieten. Allerdings könnten am 12. November weitere Beschränkungen des Handelsministeriums in Kraft treten, die die Situation massiv verändern dürften. Um das Verbot abzuwenden, ist der Verkauf an ein US-Unternehmen weiterhin im Gespräch. So würden die Daten der Millionen amerikanischen Nutzer, nicht länger Gefahr laufen, in die Hände der chinesischen Regierung zu gelangen. Weitere Informationen finden Sie auf Spiegel.de.

25 Jahre Ebay und 100 Tage Corona-Warn-App

Abschließend gibt es noch etwas zu feiern. Am 2. September feierte Ebay seinen 25. Geburtstag. Der erste Artikel ging am folgenden Tag vor 25 Jahren über den virtuellen Verkaufstresen. Ein kaputter Laser-Pointer für 14,83 Dollar. Das daraus ein milliardenschweres Unternehmen werden sollte, ist schwer vorstellbar. Doch die Idee war gut und zahlte sich aus. Wir wünschen weiterhin alles Gute. Die ganze Geschichte gibt es auf Stern.de.

Und auch unsere Corona-Warn-App konnte ein kleines Jubiläum feiern. 100 Tage ist die App mittlerweile im Einsatz und wurde mehr als 18 Millionen Mal heruntergeladen. Entwickler und die Bundesregierung bewerten die App als Erfolg (bundesregierung.de). Im Herbst soll sie auch länderübergreifend in 11 EU-Staaten funktionieren und im Ausland vor möglichen Infektionen warnen, wie t-online.de berichtet.

Und damit läuten wir das letzte Quartal des Jahres ein. Denken Sie daran, in weniger als 100 Tagen ist Weihnachten und am 3.Oktober feiern wir 30 Tage Deutsche Einheit. Es bleibt also spannend.

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