2020 hielten nur 19 Prozent der Teilnehmer:innen einer deutschlandweiten Umfrage des Statista Global Consumer Surveys Cancel Culture für ein Problem. Recht wenig, wenn man bedenkt, dass Medien heute fast täglich über neue Fälle berichten und kaum ein Tag vergeht an dem kein Name in den Social Media Trends zu finden ist. An einem Tag ist es die Gewürzmarke Ankerkraut, da sie sich mit Nestlé zusammenschließt, am nächsten Tag eine Umweltaktivistin mit Dreadlocks. Darin liegt auch die Schwierigkeit der Cancel Culture. Es kann jeden treffen, egal ob Marke, Unternehmen, Partei oder Einzelpersonen.

Wer selbst auf Social Media unterwegs ist (und gerne bei den Trends up to date ist), stellt schnell fest, dass diese öffentlichkeitswirksame Ächtung gar nicht so unvorhersehbar ist. Die Gründe der Kritik sind häufig sogar nachvollziehbar:

Sind die Ursache für die Mehrheit dieser Vorfälle.

Das Problem der Cancel Culture besteht also oft nicht darin, dass sie kritisiert, sondern wie sie kritisiert. Denn mit Kritik hat das in vielen Fällen wenig zu tun. Das Problem dabei steckt bereits im Namen. Sie „cancelt“, also das Beenden oder Absagen von etwas. Das Canceln passiert in zwei Schritten:

  1.  „Call-Out-Culture“: Dem Verbreiten des Fehlverhaltens durch Teilen von Videos, Bildern, Hashtags oder Storys auf verschiedensten Social-Media-Kanälen. Ab einem gewissen Bekanntheitsgrad verbreiten sich solche Meldungen wie ein Lauffeuer. Es bleibt also nicht in dem kleinen „Fan“ Kreis, der bis zu einem gewissen Grad berechtigte Kritik äußert.
  2.  „Cancel-Cultur“: Die Reaktion auf das Fehlverhalten ist also gleichzusetzen mit dem wütenden Mob, der auf diese Aussage hin auftaucht und im Grunde nichts mit der Marke oder auch Person zu tun hat. Viele der Nutzer, haben ihren Erstkontakt erst durch den Fehltritt. Schnell artet die berechtigte Kritik von „Fans“ in „Hass“ von Fremden aus.

Was sind die Auswirkungen?

Diese Bewegung im Netz kann zum Boykott führen, also der Weigerung, das „Opfer“ der Cancel Culture weiter zu unterstützen oder die Zukunft gar zu erschweren. Ankerkraut hat nach ihrer Kooperation mit Nestle beispielsweise nicht nur viele Fans der Marke, sondern auch fast alle Kooperationen mit Influencer:innen und die damit verbundene Reichweite verloren. Wer hier einmal einen Einblick braucht, kann gerne die Kommentare zu der Ankündigung auf Twitter lesen:

Nestlé ist neuer Mehrheitseigentümer von Ankerkraut! Wir bleiben eigenständig: als Unternehmen und Marke. Die Gründer Anne und Stefan, sowie die Geschäftsleitung, bleiben als relevant beteiligte Gesellschafter an Bord und am operativen Geschäft wird sich nichts ändern.

— Ankerkraut GmbH (@ankerkraut) April 13, 2022

Wenn Konsument:innen oder Kund:innen aufhören die Produkte zu kaufen, Dienstleistungen wahrzunehmen, Bücher, Filme oder Musik zu konsumieren, Texte zu lesen und Veranstaltungen zu besuchen, kann natürlich nachhaltig das Geschäft darunter leiden, vor allem, wenn der geschäftliche Erfolg auf Social Media Reichweite beruht. Sie werden von einer gesellschaftlichen Gruppe gecancelt, was einerseits einer öffentlichen Ächtung gleichkommt, aber andererseits weiteren wirtschaftlichen Erfolg nicht zwangsläufig ausschließt. Klar ist, dass so ein Vorfall, egal in welchem Ausmaß, der Reputation langfristig schaden kann.

Zudem entwickelt sich die Cancel Culture immer mehr zum Trend. Es werden verstärkt Fehltritte gesucht, um einen künstlichen Shitstorm zu generieren. Jahre alte Tweets werden recherchiert und veröffentlich oder auch einfach Behauptungen aufgestellt, um den nächsten Skandal zu schaffen.

Was lernen wir aus der Cancel Culture?

Die Zeit der großen Imagekampagnen und Werbeversprechen ist vorbei. Nur zu predigen, ohne zu handeln, wird bei einem wachsenden kritischen Bewusstsein der immer jünger werdenden Kund:innen zunehmend schwieriger. Marketingversprechen müssen auf allen Unternehmensebenen erfüllt werden, sonst geht schnell die Glaubwürdigkeit verloren. Unternehmen können beispielsweise nicht für Diversität einstehen, während im Hintergrund weiterhin weder gleichberechtigte Strukturen bestehen noch faire Löhne gezahlt werden.

In Zeiten von Cancel Culture verlangen kritische Kunden von Unternehmen mehr, als nur noch unternehmerisch zu handeln. Der Mehrwert eines Unternehmens bemisst sich am Mehrwert, den es für uns alle kreiert, nicht wie früher nur für Kund:innen oder das Unternehmen selbst.

Auf was Sie bei der Kommunikationsplanung achten müssen, können Sie hier auf unserem Blog nachlesen.


Jeder kennt es: Zum Jahreswechsel werden neue Pläne geschmiedet, Vorsätze gemacht und neue Ziele festgelegt. Das gilt im Privaten genauso wie im Berufsleben. Und auch in der PR-Branche ist es üblich, sich am Anfang des Jahres an die Kommunikationsplanung zu setzten und so neue Prioritäten zu festzulegen, frische Projekte zu starten oder alte weiter voranzutreiben.

Nun sind zwar bereits einige Tage ins Land gegangen – wir nähern uns schließlich mit großen Schritten dem Ende des ersten Quartals – doch nach den beiden vergangenen Pandemie-Jahren, bringt der nahende Frühling nun endlich etwas mehr Normalität zurück und damit etwas mehr Planungssicherheit. Es ist nun an der Zeit, aus der Krise zu lernen und das neu gewonnene Wissen so anzuwenden, dass wir mit unseren Kampagnen das Beste für unsere Reputation herausholen und 2022 zu einem erfolgreichen Jahr machen.

Damit das gelingt, habe ich drei Themen für Sie zusammengestellt, die für die Kommunikationsplanung 2022 in keinem Unternehmen fehlen dürfen:  

In Klimaschutzmaßnahmen und Nachhaltigkeit investieren

Da sowohl Verbraucher*innen als auch Investor*innen immer mehr Wert auf entschlossenes Handeln in Sachen Klimaschutz legen, können es sich Unternehmen nicht länger leisten, Klimaziele lediglich zu verkünden, dann aber keine geeigneten Maßnahmen zu ergreifen. Unternehmen werden inzwischen mehr denn je auf ihren Umgang mit der Umwelt und ihre Engagement gegen den Klimawandel geprüft. Sie sollten deshalb sicherstellen, dass ihre Handlungen mit dem übereinstimmen, was sie nach außen kommunizieren. Eine klimaorientierte PR-Kampagne wird schließlich nicht funktionieren, wenn sie nicht authentisch ist.

Egal wie optimistisch Ihre externe Kommunikation auch sein mag, richtig authentisch wird sie erst, wenn auch wahres Engagement dahintersteckt. Ist das nicht der Fall, werden externe Stakeholder*innen die Illusion leicht durchschauen. Heutzutage sind Konsument*innen und Investor*innen leider daran gewöhnt, dass es sich bei Klimaschutzmaßnahmen oft um Greenwashing handelt und gerade deshalb wird ganz genau hingeschaut. Da der Druck von außen aber immer stärker wächst, sollten Unternehmen, die wenig bis gar keine Erfahrung in diesem Bereich haben, ihre Zeit effektiv nutzen und sich beispielsweise bei externen Berater*innen Unterstützung suchen. Sie können dem Unternehmen dann dabei helfen, wichtige Entscheidungen zu treffen und konkrete, wirkungsvolle Maßnahmen vorschlagen.

Durch den Regel-Dschungel der sozialen Medien navigieren

Soziale Medien sind inzwischen ein Kernbestandteil jeder guten PR-Strategie und dürfen auch bei der Kommunikationsplanung nicht fehlen. Doch mit der zunehmenden Verbreitung und Nutzung wächst auch der Dschungel an Regularien. Die Aussage der Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen vor dem US-Senat 2021 machte auf den Schaden, den der Social-Media-Riese seinen Nutzern zufügt, aufmerksam, was wiederum dazu führt, dass Gesetze wie die Online Safety Bill im Vereinigten Königreich von Gesetzgebern intensiv geprüft werden.

Der Gesetzesentwurf besagt, dass Social-Media-Plattformen eine Sorgfaltspflicht gegenüber ihren Nutzer*innen haben, um sie vor potenziell schädlichen Inhalten zu schützen. Das ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung für eine verantwortungsvolle Nutzung von sozialen Medien. Da Unternehmen verstärkt kontrolliert werden, müssen sie sicherstellen, dass sie bei rechtlichen Änderungen oder Regulationen immer auf dem neuesten Stand sind. Das bedeutet, dass sich Unternehmen mit den Richtlinien auseinandersetzen, sie verstehen und einhalten müssen, um soziale Medien als festen Kanal in ihre Kommunikationsplanung integrieren zu können.

Durch Mitarbeiterkommunikation Synergien schaffen

Nachdem Mitarbeiter*innen in den letzten beiden Jahren, die Vorteile des hybriden Arbeitens kennengelernt haben, bleibt es für die Mehrheit auch künftig das bevorzugte Modell, wie eine Studie von Slack zeigt. Viele Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter*innen bereits entscheiden, welches Modell sich am besten für sie eignet, also wann sie im Homeoffice, remote oder im Büro arbeiten möchten. Damit verbunden ändert sich allerdings auch die Kollaboration und der Austausch in den Teams.

Durch hybrides Arbeiten wird es Mitarbeiter*innen ermöglicht, ihre Arbeit mit dem eigenen Lebensstil in Einklang zu bringen. Das kann zu höherer Produktivität führen und das eigene Wohlbefinden positiv beeinflussen. Gleichzeitig kann es aber auch das Team spalten. Eine solche Spaltung ist sicherlich nicht die alleinige Schuld des Unternehmens oder der einzelnen Mitarbeiter*innen, sondern vielmehr eine natürliche Entwicklung, die durch den unregelmäßigen persönlichen Kontakt auftreten kann. Die Lösung für das Problem ist jedoch nicht unbedingt die Einführung einer Büro-Pflicht. Es geht vielmehr darum, die interne Kommunikation im Unternehmen zu verbessern. Vor allem Änderungen innerhalb des Unternehmens sollten regelmäßig an alle Mitarbeiter*innen weitergegeben werden. Genau dieses Thema wird 2022 wichtiger denn je, denn hybrides Arbeiten ist nicht länger eine Zwischenlösung in der Hochphase der Pandemie, sondern ein festes Modell im Arbeitsalltag vieler Menschen. Ihre Kommunikationsplanung sollte also nicht nur die externe, sondern auch die interne Kommunikation berücksichtigen.  

Bei Firefly haben unsere Mitarbeiter*innen ebenfalls die Möglichkeit, frei zu entscheiden, wo sie arbeiten möchten. Ob vollständig remote oder vereinzelt im Homeoffice – alles ist möglich. Doch wir freuen uns auch immer, wenn wir uns live und in Farbe in unseren schönen Büros sehen. Zusätzlich wird über alle Ebenen hinweg regelmäßig und transparent kommuniziert, damit alle über die aktuellen Entwicklungen informiert sind und keine Missverständnisse aufkommen.

Auch wenn das Jahr schon wieder ein paar Tage alt ist, eignet sich der Zeitpunkt gut, um den eigenen Kommunikationsplan zu überarbeiten und seine Reputation zu verbessern. Wollen Sie mehr darüber erfahren, wie Sie Ihre Reputation gestalten können? Dann laden Sie sich hier unseren Leitfaden zum Reputationsmanagement herunter.

Ist es an der Zeit, Ihre Reputation zu formen?

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