2020 hielten nur 19 Prozent der Teilnehmer*innen einer deutschlandweiten Umfrage des Statista Global Consumer Surveys Cancel Culture für ein Problem. Recht wenig, wenn man bedenkt, dass Medien heute fast täglich über neue Fälle berichten und kaum ein Tag vergeht an dem kein Name in den Social Media Trends zu finden ist. An einem Tag ist es die Gewürzmarke Ankerkraut, da sie sich mit Nestlé zusammenschließt, am nächsten Tag eine Umweltaktivistin mit Dreadlocks. Darin liegt auch die Schwierigkeit der Cancel Culture. Es kann jeden treffen, egal ob Marke, Unternehmen, Partei oder Einzelpersonen.

Wer selbst auf Social Media unterwegs ist (und gerne bei den Trends up to date ist), stellt schnell fest, dass diese öffentlichkeitswirksame Ächtung gar nicht so unvorhersehbar ist. Die Gründe der Kritik sind häufig sogar nachvollziehbar:

Sind die Ursache für die Mehrheit dieser Vorfälle.

Das Problem der Cancel Culture besteht also oft nicht darin, dass sie kritisiert, sondern wie sie kritisiert. Denn mit Kritik hat das in vielen Fällen wenig zu tun. Das Problem dabei steckt bereits im Namen. Sie „cancelt“, also das Beenden oder Absagen von etwas. Das Canceln passiert in zwei Schritten:

  1.  „Call-Out-Culture“: Dem Verbreiten des Fehlverhaltens durch Teilen von Videos, Bildern, Hashtags oder Storys auf verschiedensten Social-Media-Kanälen. Ab einem gewissen Bekanntheitsgrad verbreiten sich solche Meldungen wie ein Lauffeuer. Es bleibt also nicht in dem kleinen „Fan“ Kreis, der bis zu einem gewissen Grad berechtigte Kritik äußert.
  2.  „Cancel-Cultur“: Die Reaktion auf das Fehlverhalten ist also gleichzusetzen mit dem wütenden Mob, der auf diese Aussage hin auftaucht und im Grunde nichts mit der Marke oder auch Person zu tun hat. Viele der Nutzer, haben ihren Erstkontakt erst durch den Fehltritt. Schnell artet die berechtigte Kritik von „Fans“ in „Hass“ von Fremden aus.

Was sind die Auswirkungen?

Diese Bewegung im Netz kann zum Boykott führen, also der Weigerung, das „Opfer“ der Cancel Culture weiter zu unterstützen oder die Zukunft gar zu erschweren. Ankerkraut hat nach ihrer Kooperation mit Nestle beispielsweise nicht nur viele Fans der Marke, sondern auch fast alle Kooperationen mit Influencern und die damit verbundene Reichweite verloren. Wer hier einmal einen Einblick braucht, kann gerne die Kommentare zu der Ankündigung auf Twitter lesen:

Nestlé ist neuer Mehrheitseigentümer von Ankerkraut! Wir bleiben eigenständig: als Unternehmen und Marke. Die Gründer Anne und Stefan, sowie die Geschäftsleitung, bleiben als relevant beteiligte Gesellschafter an Bord und am operativen Geschäft wird sich nichts ändern.

— Ankerkraut GmbH (@ankerkraut) April 13, 2022

Wenn Konsument*innen oder Kund*innen aufhören die Produkte zu kaufen, Dienstleistungen wahrzunehmen, Bücher, Filme oder Musik zu konsumieren, Texte zu lesen und Veranstaltungen zu besuchen, kann natürlich nachhaltig das Geschäft darunter leiden, vor allem, wenn der geschäftliche Erfolg auf Social Media Reichweite beruht. Sie werden von einer gesellschaftlichen Gruppe gecancelt, was einerseits einer öffentlichen Ächtung gleichkommt, aber andererseits weiteren wirtschaftlichen Erfolg nicht zwangsläufig ausschließt. Klar ist, dass so ein Vorfall, egal in welchem Ausmaß, der Reputation langfristig schaden kann.

Zudem entwickelt sich die Cancel Culture immer mehr zum Trend. Es werden verstärkt Fehltritte gesucht, um einen künstlichen Shitstorm zu generieren. Jahre alte Tweets werden recherchiert und veröffentlich oder auch einfach Behauptungen aufgestellt, um den nächsten Skandal zu schaffen.

Was lernen wir aus der Cancel Culture?

Die Zeit der großen Imagekampagnen und Werbeversprechen ist vorbei. Nur zu predigen, ohne zu handeln, wird bei einem wachsenden kritischen Bewusstsein der immer jünger werdenden Kund*innen zunehmend schwieriger. Marketingversprechen müssen auf allen Unternehmensebenen erfüllt werden, sonst geht schnell die Glaubwürdigkeit verloren. Unternehmen können beispielsweise nicht für Diversität einstehen, während im Hintergrund weiterhin weder gleichberechtigte Strukturen bestehen noch faire Löhne gezahlt werden.

In Zeiten von Cancel Culture verlangen kritische Kunden von Unternehmen mehr, als nur noch unternehmerisch zu handeln. Der Mehrwert eines Unternehmens bemisst sich am Mehrwert, den es für uns alle kreiert, nicht wie früher nur für Kund*innen oder das Unternehmen selbst.

Auf was Sie bei der Kommunikationsplanung achten müssen, können Sie hier auf unserem Blog nachlesen.


Professionelle Kommunikation hat im Zuge der Pandemie stark an Bedeutung hinzugewonnen – das belegen Studien. Höchste Zeit also einen Blick auf die wichtigsten Trends und Entwicklungen in der Kommunikationsbranche zu werfen, let’s go! 

1. Ist Gendern schon normal?

Das Thema Gendern ist in der profesionnellen Kommunikation allgegenwärtig. Dennoch verfügen gerade einmal 20 Prozent der Unternehmen über verbindliche Regelungen in Bezug auf inklusives Schreiben. Diversität und Inklusion sind weitaus mehr als nur ein „nice to have“. Sie haben einen entscheidenden Einfluss auf die Kultur und den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Wie lange es noch dauern wird, bis sich große Reden von Gerechtigkeit und Inklusion auch in unserem Schreiben stärker niederschlagen, bleibt abzuwarten. In jedem Fall wird Gendern immer wichtiger und professionelle Kommunikator*innen sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen. Initiativen wie das Projekt “andererseits” leisten hier bereits einen sehr wertvollen Beitrag. 

2. Mit Jürgen Habermas TikTok besser verstehen

Der Erfolg von TikTok ist kaum zu fassen. Um ihn doch etwas greifbarer zu machen, hilft ein Blick auf folgende Zahlen: TikTok war 2021 nicht nur die meist heruntergeladene App, sondern stieß bei Seitenaufrufen zusätzlich den Tech-Riesen Google vom Thron. Wer nach wie vor glaubt, dass TikTok kein relevanter Kanal für die professionelle Kommunikation ist, verpasst einen wichtigen Trend. Tagesschau und Co machen es vor: “PoliTikTok” – TikTok als Medium für politische Meinungsbilung

Was hat das nun mit Jürgen Habermas zu tun? Der Philosoph und Soziologe hat seine bahnbrechende Studie zum „Strukturwandel der Öffentlichkeit” von 1962 an die Mediengesellschaft 2.0 angepasst. Laut Habermas leben wir dank sozialer Medien in einer „redaktionellen Gesellschaft“, in der jede/r Einzelne die Möglichkeit hat, den öffentlichen Diskurs aktiv mitzubestimmen. Um in dieser Flut an neuen „Redakteur*innen“ auf Plattformen wie TikTok nicht unterzugehen, gilt es für professionelle Kommunikator*innen also mehr denn je zu zeigen, dass sie ihre Zielgruppen genau kennen und mit relevanten, qualitativ hochwertigen Inhalten versorgen.  

3. Bewegtbilder, weil Bilder bewegen

Auf Social Media erfolgreiche Unternehmen machen es vor: Kaum ein Post ohne die Einbindung von bewegten Bildern. Der Erfolg dieses leicht konsumierbaren Contents lässt sich leicht mit einem Blick auf unser Gehirn erklären. Das menschliche Gehirn ist grundsätzlich faul. Da es trotz seiner geringen Größe (2 Prozent der Gesamtmasse des menschlichen Körpers) für ein Fünftel des Energieverbrauchs verantwortlich ist, versucht es möglichst effizient vorzugehen. Kurze Videos verbrauchen wenig Kapazitäten und werden damit vom Gehirn bevorzugt konsumiert. Diese Muster des Gehirns muss professionelle Kommunikation bedienen, um erfolgreich zu sein. Ein Ausflug in die Neurowissenschaften lohnt sich also definitiv, um seine Kommunikation zu optimieren. Hier finden Sie einen ersten Einstieg in das Thema: Neurowissenschaften und Public Relations (PR) | Prof. Dr. Dieter Georg Adlmaier-Herbst 

Zwei Sekunden reichen und schon hat man sich verliebt, oder?

4. Thought Leadership bleibt die Königsdisziplin

In der Kommunikationsbranche geht es sehr viel um Personen und Formate, doch steht am Anfang jeder Art der Kommunikation nach wie vor eines: Die Botschaft. Um sich auf einem hochkompetitiven Markt zu positionieren, braucht es in aller erster Linie klar definierte Themen und entsprechende Expertise. Das gilt insbesondere auf den schnelllebigen Social-Media-Plattformen, wo man sich als Thought Leader von anderen Millionen von Micro-Influencern abheben muss. Wenn der Content relevant ist, nehmen sich gerade Entscheider*innen auch die erforderliche Zeit. Laut einer Studie investieren 54 Prozent der Entscheider*innen wöchentlich mehr als eine Stunde, um sich mit Thought-Leadership-Beiträge auseinanderzusetzen. Generell gilt: Aufmerksamkeit folgt Mehrwert. Das Ziel der Themenführerschaft sollte also in jeder kommunikativen Strategie eine zentrale Rolle einnehmen.  

5. Keine Relevanz ohne Purpose

Im Zuge der Digitalisierung und Globalisierung gleichen sich die Produkte und Dienstleistungen verschiedener Unternehmen zunehmend. Dementsprechend werden die übergeordneten Ziele und Werte eines Unternehmens immer wichtiger. Laut einer aktuellen Studie würden 57 Prozent der Befragten mehr für Produkte eines Unternehmens zahlen, das ihre Werte teilt. Für die Kommunikationsbranche folgt daraus, dass die jeweiligen Teilöffentlichkeiten mehr über das Unternehmen und dessen Geschichte(n) erfahren möchten. Also weniger ellenlange Produktbeschreibungen und mehr aussagekräftige Stories über den Purpose eines Unternehmens. 

Wie Sie sehen, tut sich in der Kommunikationsbranche einiges. Sicherlich könnte man diese Liste noch um ein Vielfaches erweitern, doch haben wir ja gelernt, dass unsere Gehirne echte Energiesparer sind. Schlank denken kann man sich außerdem auch nicht, insofern war’s das an dieser Stelle. 

Unsere 11 Top-Listen des Jahres 2021

Zahlen, Fakten und Analysen sind wichtige Bestandteile einer guten Content-Strategie. Der Blick nach hinten hilft deshalb häufig auch für die Planung nach vorne. Und für alle, die aus dem Rückblick für die Zukunft lernen wollen (oder nur Spaß an Jahreszusammenfassungen haben), hier ein (vorerst) letzter Blick zurück in das Jahr 2021 auf ein paar interessante, überraschende und ungewöhnliche Rankings*. Anschnallen, es geht los.

*vornehmlich aus Deutschland

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Von Faulheit und Fails

Das Top-Thema Cyber Security wird uns auch in Zukunft weiterhin begleiten. Wehe dem, der ein schwaches Passwort zur Sicherung seines Twitter-, E-Mail- oder gar Bank-Accounts verwendet. Derartige ‚Einladungen‘ knackt der Profi innerhalb von Sekunden.



Die häufigsten Passwort-Sünden des Jahres 2021

Platz 1: 123456

Platz 2: 123456789

Platz 3: 12345678

Ohne Worte! Nicht ganz. Das schlechte Passwort, das am vierthäufigsten verwendet wurde, lautet „Passwort“. Wortwörtlich.

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Erstmals überholt TikTok Google 2021 bei den Seitenaufrufen

Platz da, Google!

Unglaublich, aber wahr: 2021 hat TikTok Google vom Thron gestoßen. Zumindest in Sachen Seitenaufrufe. Cloudfare listet jährlich die beliebtesten Domains. 2020 noch auf Platz 7, ist TikTok 2021 der unbestrittene Platz 1. Sicherlich auch ein Pandemie-Profiteur, denn in tristen Zeiten verlangt es den Menschen nach lustigen, nachdenklichen, herzergreifenden und – letztlich – unterhaltsamen Videos, inklusive Soundtrack.


Die Top-Webseiten 2021

1.           TikTok.com

2.           Google.com

3.           Facebook.com

4.           Microsoft.com

5.           Apple.com

6.           Amazon.com

7.           Netflix.com

8.           YouTube.com

9.           Twitter.com

10.         WhatsApp.com

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Corona und Crypto

Hashtags sind das Schmieröl der Kommunikation auf sozialen Netzwerken wie Twitter, Instagram, TikTok, LinkedIn & Co. Jede Plattform hat seine eigenen Regeln, aber eins gilt für alle: #Hastags steigern Auffindbar- und Sichtbarkeit und damit auch das so wichtige Engagement der Community.


Die Top 10 der Hashtags auf Twitter

1             #corona

2             #bitcoin

3             #laschet

4             #impfung

5             #cdu

6             #btw21

7             #nft

8             #twitch

9             #berlin

10          #merkel


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Tolle Tweets teilen

Oder auch Neudeutsch: retweeten. Wer die meisten Retweets verzeichnen konnte? Drei politische Forderungen machen im Superwahl-, Corona- und Fußballjahr 2021 das Rennen.

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Youtuber Rezo meldet sich zur Bundestagswahl wieder zu Wort



Am häufigsten geteilte Tweets 2021

1.           YouTuber und Polit-Influencer Rezo

2.           Brief an die Bundesregierung vom Twitter-Nutzer René Engel

3.           Kevin Albrecht mit seinem Aufruf Farben der Regenbogenflagge zum EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn zu tragen

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What’s hot im Hier und Jetzt?

Was wird wo genau jetzt gesucht? Trend-Suchen sind die „hot topics“ des Augenblicks: Abrufbar in Echtzeit und nach Regionen filterbar. Bei sinnvoller Nutzung können sie wertvolle Informationen für Marketing und Suchmaschinenoptimierung liefern. So kann man beispielsweise die „content freshness“ der eigenen Inhalte überprüfen und alte Inhalte gegebenenfalls aktualisieren. Auch ein Rädchen im großen SEO-Getriebe.

Was hier und jetzt heiß ist, findet man hier. Was 2021 heiß war hier:


Meistgesuchten Begriffe bei Google

1.           EM 2021

2.           Bundestagswahl 2021

3.           Corona

4.           Bundesliga

5.           Olympia


Häufigste Schlagzeilen Suchbegriffe 2021

1.           Bundestagswahl 2021

2.           Corona

3.           Zapfenstreich Merkel

4.           Afghanistan

5.           Israel

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Wieso, weshalb, warum?

Besonders beliebte und häufige Longtail-Suchen sind Fragen. Die Suchenden wollen wissen, wie etwas funktioniert oder warum etwas so ist, wie es ist. Antworten finden Sie dann meist, häufig, manchmal auf Google.



Warum-Fragen

1.           Warum geht Whatsapp nicht?

2.           Warum trägt Rüdiger eine Maske?

3.           Warum ist Dieter Bohlen nicht mehr bei DSDS?

4.           Warum geht Roblox nicht?

5.           Warum ist der Himmel gelb?

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Zwei Trends sind stärker als einer: Spieleplaltform Roblox trifft auf Netflix Serien-Hype Squid Game


Was-Fragen

1.           Was kostet ein PCR-Test?

2.           Was ist das Kuba-Syndrom?

3.           Was ist mit Whatsapp los?

4.           Was ist 2G plus?

5.           Was bedeutet rawr?


Wie-Fragen

1.           Wie lange ist ein Schnelltest gültig?

2.           Wie alt ist die Queen?

3.           Wie lange dauert ein PCR-Test?

4.           Wie alt ist Thomas Gottschalk?

5.           Wie alt ist Helene Fischer?

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Auf der Meta-Ebene

Im Metaverse hat sich 2021 einiges getan. Hier aber mal die Highlight-Themen der Social-Media-Plattformen nach Unternehmensaussage.

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Top Themen auf Facebook und Instagram (in no particular order / in keiner bestimmten Reihenfolge)

•             Bundestagswahl

•             Fußball (EM und DFB Pokal)

•             Corona und impfen

•             Umweltschutz

•             Der Berliner Flughafen

•             LGBTIQ+.

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Bewegtbild des kleinen Mannes

Ob im Blog-Post, Social-Media-Kommentar oder Group-Chat: GIFs (gifs oder jifs?) sind das Next-Level-Emoji der lockeren Kommunikation. Auch wenn unter 30-jährige dem Trend wohl bereits abschwören. Die Plattform Giphy listet die Top-Favoriten aus 2021.

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Baby Yoda tanzt sich auf Platz 10 der Giphy-Charts 2021


Die 10 beliebtesten GIFs des Jahres

1.           Langeweile bei The Office

2.           Der müde Kater Tom

3.           Schock beim British Bake off

4.           Trauriger Pikachu

5.           Zwinkerer von Agnes Harkness (ein Disney+-Serien Charakter)

6.           „Happy Birthday“ von Peppa Pig

7.           The Weekend beim Superbowl

8.           Daphne Bridgerton

9.           Tanzendes Küken

10.         Happy Baby Yoda

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Was denken Sie? Sind diese Listen spannend, interessant, nützlich oder schlicht amüsant?

Welche Top-Listen fehlen? Welche würden Sie sich wünschen? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentare.

Das Jahr 2021 begann wie das vorige Jahr endete: Politische Verrücktheiten in den Vereinigten Staaten und zwei Krisen, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben; die Klimakrise und die Corona-Pandemie. Doch dass dieses Jahr anders werden wird, merke ich schon daran, dass ich nicht mehr fast jeden Tag in den Nachrichten lese, welche bisher unvorstellbare Aussage oder Tat der politisch mächtigste Mensch der Welt wieder getroffen oder vollzogen hat. Mit Biden scheint erneut eine sachliche, informative und respektvolle Kommunikation ins Weiße Haus zurückzukehren. Auch in Deutschland ist die alternative Krawallpartei aktuell gefühlt weniger skandalträchtig, leider kann man das nicht über manche Politiker in der Regierung sagen.

Was für mich aber auf jeden Fall aus dem außergewöhnlichen Jahr 2020 hängen bleiben wird, sind die vielen Veränderungen unseres Alltags. Die SARS-CoV-2-Pandemie hat unser soziales Miteinander auf den Kopf gestellt sowie uns Arbeits- und Handlungsweisen hinterfragen oder schlichtweg nach Alternativen suchen lassen – sowohl im privaten wie im beruflichen Bereich. Diese tiefgreifenden Änderungen haben das Thema Kommunikation wie selten zuvor in den Mittelpunkt gestellt und erheblichen Einfluss auf die Kommunikationsbranche mit sich gebracht. Dieser Einfluss prägt für mich auch die Kommunikationstrends in diesem Jahr, sei es im Journalismus, in der Unternehmenskommunikation oder bei den Kommunikationstechnologien.

Journalismus: Arbeitsweisen im Wandel

Das Pandemiejahr 2020 hatte einen erheblichen Einfluss auf die Arbeitsweise vieler Journalisten. Vor allem tagesaktuelle Nachrichten, die oft von Vorortberichterstattung und Vorortgesprächen die notwendige Tiefe erhalten, erfordern mehr Aufwand. Ansprechpartner können meist nicht vor Ort, sondern nur telefonisch oder per E-Mail angesprochen werden und Eindrücke vom Ort des Geschehens werden häufiger nicht mehr selbst erlebt, sondern nur auf Basis von Informationen Dritter nacherzählt. Dadurch wird es für Unternehmen, Regierungen und andere Institutionen einfacher, sich nicht zu äußern oder ungeprüfte bzw. falsche Informationen zu verbreiten. Auch, weil Journalisten immer weniger Zeit haben, sauber zu recherchieren oder kritisch zu hinterfragen.

Hinzu kommt, dass sich der Trend zu Gewalt und Hass gegen Medienschaffende in der Pandemie noch weiter verstärkt hat. Immer häufiger werden die Journalisten, die noch vor Ort arbeiten, angefeindet oder sogar angegriffen. Eine zusätzliche Hürde für eine ausgeglichene Berichterstattung.

Auch im Fachjournalismus hat die Pandemie Spuren hinterlassen. Neben den veränderten Arbeitsweisen im Homeoffice wurden die Fachmedien besonders von den reduzierten Werbeschaltungen getroffen. Dies führt bei uns immer häufiger dazu, dass Redakteure und Redakteurinnen eine Berichterstattung ablehnen, weil Kunden, die Werbung schalten, vorgehen. Aus meiner Sicht eine Gefahr für die redaktionelle Unabhängigkeit.

Der Wandel im Journalismus ist kein neuer Trend, aber die Corona-Pandemie hat viele der Entwicklungen beschleunigt. 2021 wird die Trennlinie zwischen journalistisch sauber arbeitenden Medien und denen, die weniger faktenorientiert berichten, noch deutlicher hervortreten. Ich hoffe , dass erstere mehr Zusprache von den Endkunden erhalten, damit die Journalismusqualität in Deutschland erhalten bleibt.

Unternehmenskommunikation: Fokus auf Customer Centricity im ganzen Unternehmen

Im letzten Jahr haben Unternehmen vieles ausprobiert und getestet. Jetzt gilt es, die richtigen Schlüsse aus den Tests zu ziehen und weiter flexibel zu bleiben. Denn eines ist erst Mal sicher:  Corona wird uns auch 2021 noch intensiv beschäftigen und die Kommunikation erheblich beeinflussen. Empathie, Purpose und Glaubwürdigkeit waren schon vor der Pandemie ein Trend in der Unternehmenskommunikation, aber der Fokus auf diese Aspekte eines Unternehmens wurde durch die Krise noch einmal verstärkt. Körperliche und geistige Gesundheit, der Klimawandel sowie die Black-Lives-Matter-Bewegung standen neben dem Virus im Vordergrund. Die einflussreiche globale Bewegung brachte das Thema Rassismus nicht nur in die vorderste Reihe der Köpfe aller, sondern veranlasste auch eine Reihe von Unternehmen zum Handeln und eine effektive Kommunikation war dabei elementar.

Mit Blick auf das Jahr 2021 ist es wahrscheinlich, dass gesellschaftliche Themen weiter relevant bleiben und eine Veränderung im Verhalten von Unternehmen und Verbrauchern erfordern. Falsch oder gar nicht zu reagieren, kann sich negativ auf die Reputation von Einzelpersonen und/oder Unternehmen auswirken. Daher wird es im neuen Jahr besonders wichtig sein, auf die Kommunikation bei gesellschaftlich relevanten Themen vorbereitet zu sein und PR- und Markenbotschaften sensibel, sorgfältig und wahrheitsgetreu zu formulieren.

Gleichzeitig gilt es Kommunikation endlich ganzheitlich zu betrachten, um Zielgruppen dort zu erreichen, wo sie sich aufhalten und, aus meiner Sicht viel wichtiger, endlich mit der bewussten Trennung von Kommunikations- und Marketingdisziplinen aufzuhören, um Kommunikation „aus einem Guss“ zu machen. Die durch das Homeoffice erworbenen kommunikativen Fähigkeiten und neuen Tools können dabei helfen, alle Stakeholder an einen Tisch zu holen und alles der Customer Experience unterzuordnen, um das volle Kommunikationspotenzial auszuschöpfen. Von Pressearbeit über Werbung, von sozialen Kanälen bis zu Foren, Messenger-Diensten, Chats und Newslettern, alles hat seinen Platz und seine Relevanz in der Kommunikation.

Kommunikationstechnologie: Automation und ganzheitliche Kommunikationsplattformen

Das Internet, soziale Medien, Video und Audio haben die Kommunikation in den letzten 20 Jahren erheblich diversifiziert und beschleunigt. Ich kann kaum glauben, dass ich zu Beginn meiner PR-Karriere noch Pressemitteilungen via Fax oder Briefpost (auch damals schon anachronistisch) verschickt habe. Das ist heute undenkbar oder maximal Teil einer kreativen Kampagne. Inzwischen wissen viele Unternehmen, wie sie die unterschiedlichen Plattformen und Technologien nutzen können und es wird viel getestet und ausprobiert. Gleichzeitig bringt die Vielzahl unterschiedlicher Medien auch neue Herausforderungen wie erhöhte Content-Produktion mit plattformgerechten Varianten und die erhöhte Zahl an zu beobachtenden Medien, damit keine Kommunikationschance verpasst wird. Zudem erfordern die aktuellen und wohl noch länger anhaltenden Kontaktbeschränkungen kreative Antworten für zukünftige Veranstaltungen. 2021 werden sich daher viele Unternehmen neue digitale Tools zulegen, um auch weiterhin kommunikativ am Ball bleiben zu können.

Dabei müssen Plattformen im Vordergrund stehen, mit denen sich Inhalte für PR, Marketing und Sales integriert planen, umsetzen und ausspielen lassen, um disziplinübergreifend, ergebnisorientiert und auf Augenhöhe mit Stakeholdern in und außerhalb des Unternehmens arbeiten und kommunizieren zu können. Denn was den Kollegen aus PR und Kommunikation häufig noch fehlt, sind handfeste Indikatoren, wie zum Beispiel Leads, die den deutlichen Mehrwert für die Geschäftsführung und den Vertrieb über Reichweite und Aufmerksamkeit hinaus deutlich macht. PR-Inhalte sind prädestiniert dafür, Aufmerksamkeit zu schaffen und potenzielle Kunden davon zu überzeugen, persönliche Daten zu hinterlassen.

Darüber hinaus kommen Kommunikationsabteilungen nicht mehr an einer digitalen Lösung vorbei, die sie dabei unterstützt neue Trends rechtzeitig zu erkennen und schneller auf Themen reagieren zu können. Der Geschwindigkeit, mit der täglich Nachrichten und Social Posts veröffentlicht und abgesetzt werden, können nur noch Automatisierungstools mit einem lernenden Algorithmus Herr werden. Dafür kann sich die Abteilung dann komplett auf Media, Influencer und Social Relations konzentrieren.

Ist es an der Zeit, Ihre Reputation zu formen?

Wir arbeiten aus London, Paris und München und sind Teil eines weltweiten Netzwerks ähnlich denkender Partneragenturen.

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