PR-Verantwortliche: So kann die Unternehmensreputation mitgestaltet werden

PR-Verantwortliche: So kann die Unternehmensreputation mitgestaltet werden

Marco Dautel

Marco Dautel

.

Die Unternehmensreputation, der Ruf oder auch das Unternehmens-Image, ist für viele nicht greifbar. Gleichzeitig hat aber jedes Unternehmen eine Reputation. Bei börsennotierten Unternehmen macht die Reputation sogar einen erheblichen Teil des immateriellen Wertes aus.
Zudem hat jede Abteilung im Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen Interesse daran, diese Reputation zu schützen. In der Personalabteilung möchte man auch in Zukunft noch attraktiv für gut ausgebildete Mitarbeiter sein. Die IT-Abteilung möchte sicherstellen, dass das Unternehmen als zuverlässig und sicher gilt, so dass Kunden weiterhin die Dienste oder Produkte nutzen wollen. Und Marketing und Vertrieb benötigen eine gute Reputation, um weiterhin erfolgreich Leads zu generieren und Produkte zu verkaufen.

Umso wichtiger, dass PR-Verantwortliche sich nicht nur um den Schutz der Reputation bemühen, sondern in der Kommunikationsstrategie auch eine aktive Mitgestaltung einplanen.

Reputation ist nicht gleich Markenkommunikation

Wenn wir bei Firefly Communications über Reputation sprechen, dann trennen wir dies von der Markenkommunikation oder dem Branding. Diese beiden Begriffe beschreiben für uns das, was ein Unternehmen über sich selbst sagt.

Im Gegensatz dazu beschreibt Reputation das, was andere über das Unternehmen denken und sagen. Sie entsteht weitestgehend aus den Erfahrungen, Erlebnissen und Interaktionen, die uns zum Beispiel von Kunden, Medien, Partnern oder Mitarbeitern eines Unternehmens mitgeteilt werden. Hinzu kommen Bewertungen auf Google oder Informationen von Sprachassistenten wie Alexa und Siri sowie die eigenen Erfahrungen. Unsere Aufgabe als Kommunikationsprofis ist es, die Reputation durch Kommunikation mit Dritten zu beeinflussen und das Beste aus den bestehenden Interaktionen zu machen.

Angesichts der Vielzahl an Einflussfaktoren auf und Anforderungen an die Reputation müssen Kommunikationsverantwortliche sicherstellen, dass sie bei der Entwicklung einer Kommunikationsstrategie auch mit Kollegen aus anderen Abteilungen sprechen. Die Bedürfnisse und Herausforderungen der anderen Abteilungen müssen in die Kommunikationsstrategie mit einfließen.
Hier ein paar Tipps für die richtigen Fragen und To-dos in den unterschiedlichen Abteilungen:

Marketing und Vertrieb

In vielen Unternehmen gibt es meist schon eine enge Zusammenarbeit von PR und Marketing. Aber auch der Vertrieb profitiert erheblich von einer guten Reputation. Sie führt nicht nur zu mehr Leads sondern auch zu einer höheren Chance Interessenten in Kunden zu verwandeln. Mit beiden Abteilungen muss deshalb enger Kontakt gehalten werden, um sicherzustellen, dass die angedachte Kommunikationsstrategie auch diesen Abteilungen einen Nutzen bringt.
Die folgenden Fragen sollten Marketing und Vertrieb gestellt werden:

    • Was ist das "Go to market"-Messaging?
    • Wie soll die Marke wahrgenommen werden?
    • Welche Reklamationen erhalten sie von Kunden?
    • Wenn Sie an die Reaktionen auf die Marketing-Inhalte denken, welche Reputation hat das Unternehmen in den Augen der Interessenten?

Die Personalabteilung

Der Ruf des Unternehmen ist ein wichtiger Faktor, um die besten Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Tatsächlich entscheiden ein Großteil der Bewerber sich aufgrund von Unternehmenswerten, Unternehmenskultur und der Reputation für oder gegen ein Unternehmen. Ein positives Image stellt daher einen erheblichen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Mitarbeiter/innen dar. Im Gegensatz dazu riskieren Arbeitgeber den Verlust guter Mitarbeiter, wenn sie ihre Reputation vernachlässigen. Es gilt das Unternehmen mit all seinen Werten und Vorteilen zu kommunizieren.
Die folgenden Fragen sollten der Personalabteilung gestellt werden:

    • Welche Zielsetzung verfolgen sie bei der Suche und dem Binden von Mitarbeitern?
    • Wie wollen sie als Arbeitgeber gesehen werden?
    • Wie ermitteln sie, was die Mitarbeiter über das Unternehmen denken?

Die Geschäftsführung

Die Geschäftsführung ist untrennbar mit der Reputation eines Unternehmens verbunden. Viele Stakeholder interessieren sich für die steuernden Personen. Das Image dieser wirkt sich direkt auf die allgemeine Reputation des Unternehmens aus. Dabei hilft es, wenn eine jeweils klare und überzeugende Vision und Mission sowie ein eindeutiger Zweck der Unternehmung besteht und von der Geschäftsführung nicht nur kommuniziert, sondern auch gelebt wird.
Die folgenden Fragen sollten der Geschäftsführung gestellt werden:

    • Wie häufig denken Sie an Ihre eigene berufliche Reputation und ihren Einfluss auf das Unternehmen?
    • Was tun Sie, um sie zu formen?
    • Wie schätzen Sie die Reputation Ihres Unternehmens ein?

Die Produktentwicklung

Viele Teams spüren den Druck nachhaltiger und innovativer zu sein. Sie müssen häufig alte Wege verlassen und zukünftig noch bessere Produkte zu geringeren Kosten entwickeln. Denn entwickeln sie zum Beispiel Produkte mit unnötig viel Kunststoff oder Software mit einer veralteten Benutzeroberfläche kann sich schnell eine Reputation entwickeln, die das Unternehmen als nicht mehr auf dem neusten Stand darstellt. Deshalb sollten sich Kommunikations- und Entwicklungsteams enger austauschen, um sicherstellen, dass das, was kommuniziert wird, richtig ist. Die Roadmap-Verantwortlichen haben diese Einsicht.
Die folgenden Fragen sollten den Verantwortlich in der Produktentwicklung gestellt werden:

    • Welche Erkenntnisse gibt es aus aktuellen Fokusgruppen?
    • Welche Stärken und Schwächen kamen zu Tage?
    • Wie messen Sie, was Kunden vom Unternehmen denken?

Die IT-Abteilung

Im Gegensatz zu den anderen Abteilungen geht es bei der Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung zum Großteil um den Schutz der Reputation. Fast jedes Unternehmen ist potenziell von Cyber-Gefahren betroffen. Wenn Security- und IT-Teams sich in Verbindung mit den Kommunikationsexperten setzen, dann oft nur, um sicherzustellen, dass die Situation korrekt gehandhabt und der Image-Schaden so gering wie möglich gehalten wird. Es gilt, den Austausch regelmäßiger und strategischer zu gestalten, um nicht nur effizienten, reaktiven Reputationsschutz im Notfall zu gewährleisten, sondern auch proaktive Gestaltung zu ermöglichen.
Die folgenden Punkte sollten mit den Verantwortlichen in der IT-Abteilung besprochen oder erarbeitet werden:

    • Wann wird die Kommunikation involviert und welchen Mehrwert kann die Kommunikation bieten?
    • Ausarbeiten eines Krisenhandbuchs inklusive Informationsfluss und Kommunikationsstrategie für Cyber-Bedrohungen.
    • Welche Entwicklungen sind kommunizierbar und bieten die Chance für Reputationsaufbau?

Mitgestaltung der Reputation braucht übergeordnete Strategie

Um eine für alle Unternehmensteile relevante Kommunikationsstrategie zu entwickeln, helfen die Antworten auf die jeweils angesprochenen Punkte. Wichtig dabei ist ein regelmäßiger Austausch, denn jedes Unternehmen wandelt sich und Kommunikationsstrategien müssen diesen Wandel berücksichtigen.

Wenn also gerade wieder die Kommunikationsstrategie für das kommende Jahr ansteht, dann hilft es, nicht nur nach hinten und vorne zu schauen, sondern auch zur Seite. Mithilfe ganzheitlichem Denken und disziplinübergreifender Zusammenarbeit gelingt es, die Reputation mitzugestalten und nicht nur zu schützen. Am Ende ist das Unternehmens-Image nichts anderes als der Fels in der tosenden Brandung. Es stabilisiert das Unternehmen in sich schnell wandelnden Zeiten.

Teile diese Geschichte:

Read more from the blog

Kommunikation

5 Tipps für LinkedIn als Tool zur Unternehmenskommunikation 

„Nichts ist beständiger als der Wandel“. Diese Worte Heraklits (535 – 475 v. Chr.) haben in den vergangenen rund 2.500 Jahren nichts an ihrer Bedeutsamkeit und Aktualität eingebüßt. Megatrends wie Digitalisierung oder Globalisierung stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Insbesondere die Medienlandschaft hat sich seit Aufkommen des Internets in atemberaubenden Tempo gewandelt. In dieser ...Weiterlesen

Timo Gass
Timo Gass
Ethics

Happy Pride!

Ohne jeden Zweifel haben die ein oder anderen unter uns gemerkt wie sich die Beiträge auf unseren Social-Media-Plattformen oder integrative Kampagnen im Juni vermehrt in die Regenbogenfarben gehüllt haben. Einer meiner persönlichen Lieblinge sind z.B. Die aktuellen Pride-Kampagnen von Calvin Klein oder Absolut. Was diese geglückten Kampagnen gemeinsam haben? Um es kurzzufassen: Sie zielen darauf ...Weiterlesen

Megan Hogg
Megan Hogg
Führung

Jeder spricht über Homeoffice, doch wie gehen Kommunikationsprofis damit um? 4 Tipps zum Umgang mit einem sensiblen Thema

Spätestens seit Ausbruch der Coronapandemie 2020 ist das Thema Homeoffice in aller Munde. Die einen lieben es, die anderen hassen es, jede:r hat in die eine oder andere Richtung Erwartungen an die eigene Arbeitgeber:in. Außerdem verändern sich die Regelungen je nach pandemischer Lage. Wie geht man nun als Führungsperson kommunikativ mit dem Thema Homeoffice um ...Weiterlesen

Melina Kulisch
Melina Kulisch

Ist es an der Zeit, Ihre Reputation zu formen?

Wir arbeiten aus London, Paris und München und sind Teil eines weltweiten Netzwerks ähnlich denkender Partneragenturen.

Kontaktieren sie uns

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Erhalten Sie Meinungsartikel von unserem Führungsteam, interessante Branchennachrichten und hilfreiche Guides, um Ihre Kommunikation zu verbessern.

Sie können sich jederzeit wieder abmelden. Für weitere Details, lesen Sie bitte unsere Datenschutzerklärung